Welchen Anhänger Führerschein brauche ich?

Wer sein Pferd mit einem Anhänger transportieren möchte, braucht dafür in der Regel einen gesonderten Führerschein. Welche Unterschiede es gibt und welchen Führerschein Ihr benötigt, wenn Ihr Pferde transportieren wollt, könnt Ihr in diesem Blogbeitrag lesen.

Obwohl ich seit Jahren Auto fahre und mit Pferden zu tun habe, hatte ich bis vor kurzem keinen Anhänger Führerschein. Zu Turnieren bin ich nie so regelmäßig gefahren und wenn doch, hat mich immer eine liebe Stallkollegin mitgenommen. Da ich schon den normalen Autoführerschein eher aus Zwang als aus persönlicher Freude gemacht habe, hielt sich meine Begeisterung zu noch einer weiteren Fahrprüfung inklusive vorigen Unterrrichtsstunden auch eher in Grenzen. In diesem Jahr habe ich es aber endlich gewagt und endlich meinen Anhänger Führerschein gemacht.

Prinzipiell gibt es drei verschiedene Führerschein-Klassen, mit denen man berechtigt ist, einen Anhänger zu ziehen. Das sind die Führerscheine der Klassen B (der “normale” Autoführerschein), BE (der “klassische” Anhänger Führerschein) und B96 (der “kleine” Anhänger Führerschein). Wo die Unterschiede liegen und für welche Variante ich mich schließlich entschieden habe, erzähle ich Euch im Folgenden.

Führerschein KlasseErlaubte Kombinationen Zugfahrzeug/Anhänger
B (Autoführerschein)– Anhänger bis zu 750kg zulässigem Gesamtgewicht
– Anhänger mit mehr als 750kg zul. GG nur, wenn das zul. GG von Auto und Anhänger zusammen 3,5 Tonnen oder weniger beträgt
B96 (“Kleiner” Anhängerführerschein)– Kombinationen aus Auto und Anhänger mit einem zusammen gerechneten zulässigen Gesamtgewicht von 4,25 Tonnen oder weniger
BE (“Großer” Anhängerführerschein)– Anhänger mit einem zulässigen Gesamtgewicht bis zu 3,5 Tonnen
– Das Zugfahrzeug darf ebenfalls noch einmal bis zu 3,5 Tonnen zul. GG haben
Übersicht: Mit welchem Führerschein darf ich welche Anhänger ziehen?

Der Führerschein Klasse B (Der Autoführerschein)

Schon mit dem normalen Autoführerschein darf man bestimmte Anhänger ziehen. Dort gibt es aber Begrenzungen, was das Gewicht des Zugfahrzeuges und des Anhängers angeht. In der Regel darf man damit also nur kleine oder leichte Anhänger ziehen. Da Pferdeanhänger sehr robust gebaut sind und die Pferde als Ladung ja auch noch ein ziemliches Gewicht haben, fallen diese hier meist heraus.

Aber welche Anhänger darf jetzt mit dem Führerschein Klasse B generell fahren? Das sind zum einen alle Anhänger, die ein zulässiges Gesamtgewicht (= Gewicht des Anhängers + maximal zulässige Ladung) von bis zu 750kg haben. Wenn der Anhänger mehr als 750kg zulässiges Gesamtgewicht hat darf man diesen hingegen nur ziehen, wenn die Kombination aus Auto und Anhänger gemeinsam ein Gewicht von unter 3,5 Tonnen hat.

Der Führerschein Klasse B96 (Der “kleine Anhängerführerschein”)

Mit dem Führerschein B96 darf man Kombinationen aus Zugfahrzeug und Anhänger fahren, solange deren zulässiges Gesamtgewicht zusammen weniger als 4,25 Tonnen beträgt. Dabei darf das zulässige Gesamtgewicht des Anhängers alleine nicht die 3,5 Tonnen überschreiten. Wie hoch das zul. GG eines Autos bzw. Anhängers ist lässt sich in den Papieren in der ZUlassungsbescheinigung Teil 1 nachlesen. Dort nennt sich diese Angabe “technisch zulässige Gesamtmasse in kg”. Auch wenn das tatsächliche Gewicht von Auto + Anhänger geringer ausfallen sollte (z.B. weil der Anhänger nicht voll beladen ist) zählt trotzdem die zulässige Gesamtmasse, die in den Papieren angegeben ist.

Mit einem Böckmann Comfort Pferdeanhänger (zul. GG = 2.400 kg) und einem VW Touareg (zul. GG modellabhängig, z.B. 2.800 kg) ist man da mit insgesamt 5,2 Tonnen zulässigem gesamtgewicht schnell mal drüber. Bei dieser Führerschein-Variante muss man also auf jeden Fall auf das Gewicht des eigenen Autos und Anhängers achten. Vor der Fahrt sollte man genau ausrechnen, bis zu welchem Wert man noch innerhalb der erlaubten Spanne ist. Gerade wenn man keinen eigenen Hänger hat, sondern sich gelegentlich einen ausleiht und dann unterschiedliche Modelle fährt, ist das natürlich eher unpraktisch.

Ein Gutes hat der “kleine Anhängerführerschein” aber: Man muss nämlich keine gesonderte Fahrprüfung machen. Da es sich offiziell nur um eine “Erweiterung” handelt, reichen 2,5 Stunden praktische Übungseinheiten und 3,5 Stunden Theorieunterricht sowie eine 1 stündige Fahrt im Straßenverkehr aus. Nach dem Fahrkurs erhält man dann eine Teilnahmebescheinigung, die man vorlegt um den Nachtrag in seinen Führerschein zu erhalten.

Der Führerschein Klasse BE (Der “große Anhängerführerschein”)

Wer keine Lust auf ständiges rechnen hat oder sowieso über die 4,25 Tonnen zulässiges Gesamtgewicht kommt, für den ist der Führerschein BE der Richtige. Mit ihm darf man Anhänger bis zu einem Gesamtgewicht von 3,5 Tonnen ziehen. Das Zugfahrzeug, also das Auto, darf dabei ebenfalls maximal 3,5 Tonnen schwer sein. In diesem Fall muss neben den Pflichtübungsstunden am Ende der Ausbildung eine praktische Fahrprüfung abgelegt werden. Theorie-unterrricht oder eine theoretische Prüfung gibt es hingegen nicht. Der Prüfer kann bei der Praxis-Prüfung aber ein paar generelle Fragen zum Fahren und dem Umgang mit dem Anhänger stellen.

Zu den Pflichtstunden gehören 3 Einheiten Überlandfahrten (z.B. über Landstraßen), 1 Einheit auf der Autobahn und 1 Einheit bei Nacht. Eine Einheit in der Fahrschule dauert dabei aber nur 45 Minuten. Je nachdem, wie sicher man sich beim Fahren fühlt und wie der Fahrlehrer einen einschätzt kann es natürlich sionnsvoll sein, weitere Übungsstunden zu absolvieren.

In der Fahrprüfung selbst werden dann z.B. das sogenannte “Verbinden”, das sichere Fahren im Straßenverkehr sowie die “Grundfahraufgabe”, das berühmt-berüchtigte rückwärts um die Kurve fahren, geprüft. Der Fahrlehrer kann außerdem verschiedene Fragen stellen, z.B. wie die Ladung im Anhänger gesichert werden sollte oder welche Geschwindigkeitsbegrenzungen man beachten muss.

Für welche Variante ich mich entschieden habe

Ich persönlich habe mich für den klassischen Anhängerführerschein Klasse BE entschieden. Insbesondere, weil ich nicht jedes Mal herumrechnen wollte, welchen Anhänger ich jetzt mit welchem Zugfahrzeug genau ziehen darf oder nicht. Ich war damals beim Autoführerschein wirklich kein Naturtalent und vor der praktischen Fahrprüfung hatte ich dann doch recht großen Respekt. Mittlerweile fühle ich mich aber auf jeden Fall sicherer im Straßenverkehr und wollte den Anhängerführerschein nun endlich in Angriff nehmen. Schon in der ersten Fahrstunde war ich dann recht erleichtert, denn das Fahren mit Anhänger ist wirklich kein Hexenwerk. Auch das rückwärts um die Kurve fahren hat mir keine großen Probleme bereitet. Das ist schließlich vor allem eine Übungssache und dafür sind die Fahrstunden schließlich auch da: Zum üben.

Von den Kosten her unterscheiden sich der B96 und der BE Führerschein außerdem nicht maßgeblich. Man muss bei beiden Varianten mit ein paar Hundert Euro an Kosten rechnen. Wenn man am Ende dann doch nur den “kleinen” gemacht hat, ärgert man sich vielleicht wenn man irgendwann ein anderes Auto hat und über das zulässige Gesamtgewicht von 4,25 Tonnen kommt. Dann war der ganze Spaß nämlich umsonst und man muss trotzdem noch den “großen” Anhängerführerschein machen.

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P.S.: Ein Video der “Grundfahraufgabe”, dem rückwärts um die Ecke fahren, mit ein paar hilfreichen Tipps könnt Ihr Euch übrigens hier ansehen (Link zum YouTube Video):

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